Nachdem ich schon mehr als zwei Tage akute und große Schmerzen in der Leiste hatte und kaum noch laufen konnte, erkundigte ich mich telefonisch bei der medizinischen Beratungsstelle (Sjukvårdsrådgivningen), was ich tun könnte. Der angegebene Link ist mehr oder weniger allgemeingültig für sämtliche medizinischen Beratungsstellen und Behandlungszentren in Schweden.) Man riet mir, daß ich mich an mein Behandlungszentrum (Vårdcentral) wenden solle. Das tat ich auch. Einige Stunden später erhielt ich einen Rückruf, bei dem mir klargemacht wurde, daß ich bereits einen Termin bei meinem Arzt am 3. März habe und keinen früheren Termin bekommen könnte. All dies geschah 11 Tage vor diesem Termin am 3. März. Meine Schmerzen, ließen aber kein längeres Warten mehr zu, denn ein Laufen war nur noch in gebeugter Haltung und mit der Nase fast am Fußboden möglich.
Ich rief dann (das war am Freitag, 20.2.09, nachmittags) bei meiner Tochter an, die mich in das für mich zuständige Krankenhaus zur Notaufnahme fuhr. Wir trafen dort um 16 Uhr 30 ein. Die erste Überraschung, mit der ich konfrontiert wurde, war die Preiserhöhung, die seit dem 1.1.09 in Kraft getreten ist. Ich mußte 300 Kronen bezahlen. Zuvor waren es 140 Kronen gewesen. Nach der Bezahlung durften wir im Korridor Platz nehmen und warten. Nach etwa 1 1/2 Stunden erschien eine Schwester, die uns in den “Triage rum” (Ersteinschätzungsraum) bat. Ich nenne diesen Raum “Aussortierungsraum”! Dort wurde ich lediglich nach meinen Beschwerden befragt. Sonst nichts weiter. Meine Tochter erkundigte sich nur noch, wie lange wir etwa warten müßten, und bekam zur Antwort: “Etwa 5 Stunden.” Nach diesem Gespräch durften wir wieder im Korridor Platz nehmen und warten. Wir unterhielten uns und ich sagte zu meiner Tochter, daß ich das mit den 5 Stunden als einen kleinen Scherz aufgefaßt hatte. Später jedoch sollte sich erweisen, daß es die Realität war, mit der wir uns abzufinden hatten.
Beide bekamen wir langsam Hunger. Also verließ meine Tochter das Krankenhaus, um an der nächstgelegenen Würstchenbude etwas für uns zu essen zu kaufen. Fast gleichzeitig, als sie wieder zurück kam, war plötzlich in der Notaufnahme ein ziemlich großes Durcheinander. Ein Überfallalarm war ausgelöst worden und plötzlich rasten Polizisten in Uniform und Zivil durch den Korridor. Wie sich später hausstellte, hatten einige Kriminelle den Versuch gemacht, einen ins Krankenhaus eingelieferten Kumpel zu befreien. Zum Glück war meine Tochter draußen vor dem Krankenhaus nicht zwischen die Linien von Kriminellen und Polizei geraten, aber ziemlich nahe dran war sie schon!
Was war sonst noch so los, da im Korridor, wo ich weiterhin darauf wartete, endlich wegen meiner Beschwerden behandelt zu werden? Es war so einiges. Unter anderem torkelte ein jüngerer und kräftig gebauter Mann mit blutverschmiertem Gesicht mehrmals durch den Korridor. Auf mich machte er den Eindruck eines Boxers oder Ringkämpfers, der in eine Schlägerei geraten und ziemlich narkotika- oder alkoholberauscht war. Ein kleiner Junge übergab sich mehrmals und schrie weinend und verzweifelt immer wieder “Mama, mama, mama”! Wie es danach im Korridor roch, kann sich wahrscheinlich jeder vorstellen. Hustende und schniefende Menschen, die der Auffassung waren, sie bräuchten weder ein Taschentuch noch sonst etwas, um ihre Viren und/oder Bazillen von uns anderen fern zu halten, waren natürlich auch anwesend, wie auch solche mit Arm- und Beinbrüchen, Beulen am Kopf und viele andere mehr!
Gegen halb 10 Uhr nachts wurden wir erneut in den Triage-Raum gebeten. Diesmal wurde ich von einer Schwester untersucht, d.h. sie untersuchte mich auf Fieber und nahm eine Blutdruckmessung vor. Nein, stimmt nicht. Die Messung nahm sie dreimal vor, weil entweder der Apparat oder sie nicht so funktionierten, wie sie sollten. Beim dritten Mal stellte sie einen erhöhten Blutdruck fest. Nach alledem, was ich bisher in der Wartezeit durchgemacht hatte, ist der mir allerdings erklärlich! Ich durfte auf der Liege liegen bleiben und auf den Arzt warten, was aber nochmals mindestens eine undendlich lange halbe Stunde dauerte.
Letztendlich kam ein Arzt in das Zimmer und nachdem er meine Leiste und die Bauchdecke abgetastet hatte, kam er zu dem Schluß, daß ich eine Muskelentzündung in der Leiste habe. Er verordnete mir Tabletten, versprach uns, eine Überweisung an meinen Arzt zu schicken, um die Leiste auch noch zu röntgen und dann konnten wir endlich das Krankenhaus verlassen.
Das alles geschah am vergangenen Freitag. Heute ist Sonntag. Dreimal täglich nehme ich nun schmerzlindernde und entzündungshemmende Tabletten ein bin inzwischen auch fast ohne Schmerzen. Jedenfalls kann ich jetzt wieder normal und aufrecht laufen!
In den deutschen wie schwedischen Fernsehkanälen, laufen gegenwärtig viele Serien, die sich im Krankenhausmilieu abspielen. Kann ich mir alle ersparen, die Wirklichkeit ist krass genug!






